Wie entwickelt sich die Wasserstoffwirtschaft – und welche Rolle spielt das Handwerk dabei? Unter anderem diese Frage stand im Mittelpunkt der 4. Regionalen Zukunftskonferenz Wasserstoff in Augsburg. Mit 181 Teilnehmenden aus Wirtschaft, Energieversorgung, Kommunen, Forschung und Bildung wurde deutlich: Der technologische Fortschritt ist spürbar – der Hochlauf in der Praxis bleibt jedoch eine gemeinsame Kraftanstrengung.
Regionale Projekte zeigen konkrete Umsetzungsperspektiven
Besonders eindrucksvoll waren die vorgestellten Praxisbeispiele aus der Region. So plant die Stadt Gersthofen, ab dem Winter 2026/27 rund 250 Wohnungen mit Wasserstoff zu beheizen. Solche Vorhaben machen sichtbar, dass Wasserstoff nicht nur eine Vision für Industrie und Großanlagen ist, sondern zunehmend auch in der Wärmeversorgung und damit in klassischen handwerklichen Tätigkeitsfeldern ankommt – von der Gebäudetechnik über die Energieversorgung bis zur Anlageninstallation und -wartung.
Für Handwerksbetriebe eröffnen sich hier neue Geschäftsfelder entlang der gesamten Wertschöpfungskette: bei der Integration wasserstofffähiger Systeme, der Anpassung bestehender Infrastruktur, im Service sowie in der Kundenberatung.
Mobilität, Infrastruktur und Technologie im Wandel
Auch im Bereich der Mobilität zeigte sich ein Stimmungswechsel. Während Wasserstoffantriebe in der Vergangenheit häufig kritisch diskutiert wurden, wachsen die Perspektiven – insbesondere im Schwerlastverkehr. Parallel dazu treiben Hersteller und Forschung neue Lösungen voran, etwa bei Elektrolyseuren, Antriebssystemen oder wasserstoffbasierten Flug- und Drohnentechnologien.
Damit verbunden ist der Ausbau von Transport- und Verteilnetzen. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Wasserstoff künftig in Betrieben, Quartieren und auf Baustellen tatsächlich verfügbar ist.
Zwischen politischen Zielsetzungen und betrieblicher Realität
In den übergeordneten Beiträgen – etwa zur Nationalen Wasserstoffstrategie und zum europäischen Markthochlauf – wurde jedoch auch deutlich, dass viele Ankündigungen derzeit noch schneller wachsen als die reale Umsetzung, beispielsweise bei den Elektrolysekapazitäten. Für Unternehmen und Handwerksbetriebe bedeutet das: Planungssicherheit entsteht nicht allein durch politische Ziele, sondern durch konkrete Projekte, verlässliche Rahmenbedingungen und qualifizierte Fachkräfte.
Schlüsselrolle des Handwerks: Umsetzung vor Ort
Gerade hier kommt dem Handwerk eine zentrale Funktion zu. Die Energiewende entscheidet sich nicht auf Strategiepapieren, sondern in Heizungskellern, Technikzentralen, Werkhallen und auf Baustellen. Ob Installation wasserstofffähiger Wärmesysteme, Aufbau von Versorgungsstrukturen, Wartung von Anlagen oder sicherer Umgang mit neuen Energieträgern, die praktische Umsetzung liegt in den Händen qualifizierter Fachkräfte.
Der Bedarf an entsprechendem Know-how wächst rasant. Unternehmen benötigen Mitarbeitende, die neue Technologien verstehen, bewerten, planen und in bestehende Systeme integrieren können. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an Arbeitssicherheit, Normenkenntnis, Beratungskompetenz und gewerkeübergreifendes Denken.
Qualifizierung als Erfolgsfaktor der Transformation
Genau hier setzt das Weiterbildungszentrum für innovative Energietechnologien (WBZU) der Bildungsakademie der Handwerkskammer Ulm an. Ziel ist es, aktuelle Forschungsergebnisse in die betriebliche Praxis zu übertragen und Fachkräfte für die Energietechnologien der Zukunft zu qualifizieren. Die enge Verzahnung mit dem Handwerk sorgt dafür, dass die Inhalte unmittelbar auf der Baustelle und im Betrieb anwendbar sind. Wasserstoff ist dabei ein zentraler Baustein der Sektorenkopplung und der Integration erneuerbarer Energien in bestehende Systeme – von der Erzeugung über die Speicherung und den Transport bis zur Anwendung in Wärme, Strom und Mobilität.
Die entsprechenden Weiterbildungsangebote vermitteln nicht nur technologische Grundlagen, sondern schaffen auch strategische Entscheidungsgrundlagen für Betriebe, die sich frühzeitig in diesem Zukunftsmarkt positionieren möchten.
Aufklärung und Wissenstransfer bleiben entscheidend
Ein wiederkehrendes Thema der Konferenz war die Bedeutung der Information und Aufklärung – sowohl für die Öffentlichkeit als auch für Unternehmen. Denn Akzeptanz, Investitionen und Umsetzungsgeschwindigkeit hängen maßgeblich davon ab, wie gut Chancen, Anforderungen und konkrete Einsatzmöglichkeiten verstanden werden.
Der Wasserstoffmarkt entwickelt sich – getragen von innovativen regionalen Projekten und neuen technologischen Lösungen. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Erfolg der Transformation maßgeblich von gut ausgebildeten Fachkräften und praxisnaher Weiterbildung im Bereich Energie und Umwelt abhängt.